Sihlwald für alle

Im Gebiet des Sihlwalds gilt seit 2008 eine strikte Verordnung welche den Sihlwald schützen soll, damit der Sihlwald bzw. dessen intakte Natur von den Besuchern erlebt werden kann (Naturerlebnispark). Bei der Installation dieses Naturparks wurde die Bevölkerung mit einbezogen, damit der Sihlwald auch im Sinne der angrenzenden Bevölkerung gestaltet wurde. Die geplanten Verbote und umzusetzenden Auflagen für das Label Naturpark haben doch zum Teil einschneidenden Charakter. Direkt betroffene Zeitzeugen berichten heute, dass von Seiten der Stiftung Wildnispark beteuert wurde, dass der Sihlwald ein Wald für die Bevölkerung werden soll um diese schöne und unberührte Landschaft weiterhin besucht werden kann.

Nachdem die Schutzverordnung verabschiedet wurde, signalisierten Tafeln was ab sofort im Sihlwald verboten ist. Die Anwohner sahen sich plötzlich mit Verboten konfrontiert von denen sie vorher nie vernommen hatten. Der Zugang zum Sihlwald wurde für viele gesperrt bzw. wurden die Verbote so unglücklich gewählt dass keine zusammenhängenden Touren mehr möglich sind. Langjährige Gewohnheiten wie Pilze sammeln oder Bärlauch pflücken war nicht mehr möglich. Kinder dürfen kein Holz mehr sammeln und ein Feuer für die Bratwurst kann nur noch an wenigen vorbereiteten Stellen genossen werden.

Die Anwohner realisierten nun schleichend, was sie sich mit dem Sihlwald angelacht haben. Für viele sogar der Unbekannte der plötzlich da Stand und die Bewegungsfreiheit einschränkte. Der Einbezug der Bevölkerung und deren Interessengruppen wie Vereine entpuppte sich als Farce. Auf Anfrage beim Wildnispark hiess es, man habe mit den Interessengruppen gesprochen und mit diesen die Verbote abgestimmt. In Bezug auf die Realität kann heute gesagt werden, dass die Verbote unpraktisch sind und der Verdacht nahe liegt, dass die Anwohner nicht eingebunden wurden bzw. die Stimmen nicht einbezogen wurden. Informationen zu den Anwohnern welche angeblich den Sihlwald mitgestaltet hatten sind keine vorhanden. Selbst auf Anfrage beim Wildnispark erhält man keine genaueren Angaben. Nicht von Anwohnern, aber von Personen welche von Amtes wegen einbezogen wurden wissen wir, dass der Plan zur Umsetzung schon gemacht worden war. Die Sitzung war eher eine Art Präsentation mit Mitspracherecht – aber ohne Berücksichtigung der Bedenken.

Das Vorgehen des Wildnisparks ist aus heutiger Sicht strategisch brilliant umgesetzt worden. Mit kleinen Schritten wurden die Weichen gestellt ohne dass das Grosse wahrgenommen wurde. Selbst heute, 4 Jahre nach der Schutzverordnung geht man immer noch in kleinen Schritten vor um noch mehr zu erreichen als geplant. So muss man plötzlich eine Pufferzone an die Kernzone auf Hausemer Gebiet einrichten da man ansonsten die Auflagen des Bundes nicht erfüllen kann. Kritische Stimmen werden hingehalten bis sie wieder verstummen. Wer hat denn schon die Kraft, das Geld und die Freizeit sich für eine vernünftige Lösung mit der Stadt Zürich bzw. Gegen die Verordnung zu erreichen?

Die Situation ist juristisch klar und der Sihlwald ist installiert. Auf der Strecke blieben die Anwohner, das ist Faktum. Darum haben wir die IG Sihlwald für Alle gegründet. Wir respektieren die Natur und dessen Schutz, aber mit vernünftigen und fairen Verfahren. Das Mittelalter haben wir schon lange hinter uns gelassen als es Gang und Gäbe war, dass die Stadt über das dumme Landvolk regierte.  Wir lassen uns das einseitige Diktat aus der Stadt Zürich nicht gefallen und kämpfen für eine faire Lösung.

Hintergrund

Im Jahr 853 vermachte König Ludwig der Deutsche seiner Tochter Hildegard, Äbtissin des Fraumünsterstifts in Zürich, seinen Hof Zürich inklusive dem Sihlwald rechts der Sihl. 1309 kam der Sihlwald links der Sihl als Geschenk der Habsburger an die Stadt Zürich. Dies als Dank dafür, dass sich Zürich im Rachefeldzug der Habsburger gegen die Freiherren von Eschenbach, die an der Ermordung von König Albrecht beteiligt gewesen waren, neutral verhalten hatte[2].

Mit Berchtold III. von Eschenbach wurde 1270 ein Freund von Rudolf I. von Habsburg neuer Burgherr von Schnabelburg. Berchtold II. kämpfte 1278 mit denHabsburgern in der Entscheidungsschlacht auf dem Marchfeld gegen Ottokar von Böhmen. Es ist anzunehmen, dass der Eschenberger Ritter 1298 in der Entscheidungsschlacht bei Göllheim fiel, da er damals aus den Urkunden verschwand.

Die Söhne Berchtolds 1308 halfen mit, den König Albrecht I. von Habsburg zu ermorden. Danach wurden die Brüder mit der Reichsacht belegt. Im August 1309 belagerten, eroberten und zerstörten die Habsburger daraufhin die Schnabelburg aus Rache für den Königsmord. Zwei der Berchtold-Söhne entkamen dem Gemetzel, denn sie tauchten später wieder in verschiedenen Urkunden auf. Die Burg wurde seit dieser Zeit wahrscheinlich nie wieder aufgebaut. (Quelle Wikipedia)

Die Schnabelburg, ein Kraftort mitten im Sihlwald (Kernzone).

17 Jh. Erste Wirtschaftsplanung im Sihlwald
Der Sihlwald liefert Brennholz und etabliert sich so als die „Heizung Zürichs“

Die Herstellung von Telegraphenmasten und die damit verbundene Imprägnierung hat zu giftigen Kupferablagerungen im Boden des Sihlwalds nahe der Sihl geführt.

Nutzung des Sihlwalds

(Quelle Wildnispark)

Imprägnierungsanlage vor der Sägerei und neben der Dreherei des Holzverarbeitungsbetriebes Sihlwald. Links mit Scheitholz beladener Waldbahnwagen, mit dem bis in die Schreinerei gefahren werden konnte

(Quelle Stadtarchiv Zürich)

Raubbau und Umweltverschmutzung durch die Stadt-Zuercher

1986 wurde durch die Initiative des Stadtforstmeisters Andreas Speich der Grundstein für das Projekt Naturlandschaft Sihlwald gelegt. Seit 1996 wird, ausser aus Sicherheitsgründen, kein Holz mehr geschlagen. So entstand ein Naturwald, der sich selbst überlassen bleibt. 1994 setzte sich Stiftung Naturlandschaft Sihlwald zum Ziel, den Sihlwald zu schützen. Im Jahr 2009 wurde eine Kernzone von rund vier km² festgelegt, in der die Natur unberührt bleibt. Das Betreten dieses Areals ist untersagt. Seither ist er Teil des Wildnisparks Zürich.

Der Wildnispark Zürich-Sihlwald hat am 28. August 2009 vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) das offizielle Label „Naturerlebnispark – Park von nationaler Bedeutung“ zugesprochen bekommen. Dies ist das Ergebnis einer langjährigen, fruchtbaren Zusammenarbeit von Stadt und Kanton Zürich, Pro Natura und den Gemeinden des Bezirks Horgen. (Quelle Wildnispark)

Definition Naturerlebnispark: Bundesamt für Umwelt (BAFU)
Ein Naturerlebnispark ist ein Gebiet, das in einer dicht besiedelten Region liegt (im Umkreis von 20 km des Kerns einer Agglomeration, in topographisch ähnlicher Höhenlage, sowie mit ÖV gut erreichbar). Es soll über naturnahe Gebiete verfügen, sich für die didaktische Vermittlung von Naturerlebnissen anbieten und die Lebensqualität der städtischen Bevölkerung verbessern. (Quelle Wildnispark)

Bahnverkehr

2200 Unterschriften hin oder her: In einer Stellungnahme zur Petition von Pro Sihltal hält der Zürcher Verkehrsverbund an der ersatzlosen Aufhebung von Sihlbrugg Station fest. Und macht dafür wirtschaftliche und ökologische Gründe geltend.

Im Kampf für die Erhaltung der Bahnstation Sihlbrugg oder für einen Busanschluss als Alternative muss Pro Sihltal jetzt einen Dämpfer hinnehmen. Grund: Die von der Vereinigung im November eingereichte Petition mit gut 2200 Unterschriften «für die Erreichbarkeit von Sihlbrugg Station mit dem öffentlichen Verkehr» lässt den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) offensichtlich unbeeindruckt. In einer schriftlichen Stellungnahme machte der ZVV den Petitionären dieser Tage unmissverständlich klar, dass er auf der ersatzlosen Schliessung von Sihlbrugg Station auf Dezember 2012 beharrt. Dies gab die Präsidentin von Pro Sihltal, Isabelle Roth, an der Generalversammlung von Pro Sihltal am Donnerstag im Alterszentrum Serata in Thalwil bekannt. (Quelle Zuerichsee Zeitung)